Sonntag, 25. Oktober 2009

Es ist zwar...

...nur ein schmoddriger E-Mail-Wechsel mit einer einfachen Person, aber ich hab mich dann doch...ein bissi gefreut.



rollins00







Von: "Dimitrios Kasprzyk
An: two1361@aol.com
Datum: 21.10.09 00:16:28



Hi,
this one goes out to Henry, who'll probably never read that. My Name ist Dimi, 23 years old, living in Germany, I'm a low-class self-humiliating student.
Yesterday I got affirmed, Mr Rollins once again proved his importance, in my decent opinion. Sounds cheesy probably,
I know.
But by no means, I just have to get this out
of my system. I deeply respect you, man, I am very thankful for the inspiration, the bravery and the ideas you spread. Your
example gets me going every once in a while. Thank you very much.
Never stop.

Respectfully,

Dimitrios Kasprzyk



Von: two1361@aol.com
An: dimi_Kasprzyk@web.de
Datum: 24.10.09 20:54:57


Dimi, hey man. Thanks for the letter. I am glad you get some thing out
of what I do. You are young, you should take advantage of that. Hang in
there. Henry

Freitag, 23. Oktober 2009

Hero from coast to coast

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We can walk hard
In your soul yard
See your faces as we terrorize the place
Keep your head down
Keep your voice down
Tell the instance because we're comin' inside
rule the inside

We can high-five
In a skydive
Sacrificial, undone,
our nature emerges
We can phone home
From the green zone
We got an air raid siren ring tone
and flattering light

We are the undone army,
Kneel down and disconnect
Fall hard in your soul yard
As our failure reveals

We are the heat coming.

Montag, 19. Oktober 2009

Angus T. Jones / Jakob / Faaip de Oiad

"It only ends once. Everything that happens before, is just progress."

Harper Lewis / Esau / ma meeshka mow skwaz:

"They fight, they destroy, they corrupt. Always ends the same."

Freitag, 2. Oktober 2009

Digestif

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Eine ganze Lebensdauer. In einer Nacht. Verändert. Verändert den Charakter. Zwischen all den Binden. Schatullen.
Lasst mich durch, für das Chloroform will ich sprechen. Schlafpulver. Reizstillender Sirup, ständig was auszusetzen an
dem alten Alchimisten, an seine borgeose Monokelsammlung, zwischen den Ampullen, den Zentrifugen in
denen er die brisante Quecksilber-Kräuter-Melange züchtet, mit der die Kinder dann durch die Wälder wandern, über Wasser wandern,
ihre pochenden, vor Stolz geschwollenen Adern, platzen auf, Konfetti: er regnet, ein Panoptikum: die Sprache des Windes, heiß und innig,
geliebt, gestorben, geliebt, weil sie niemand hören kann,
Hand in Hand, und der Dreck, der sammelt sich langsam im Nabel, da muss er gedeihen, ehe tausend waschende,
erquickende, erfrischende Hände einem den Rücken aufkratzen. Die Nester auf ihren Köpfen. Die kalibrierten Löcher.
In ihren Köpfen. Das Mehl, das wie Puderquaste, in erhärteten Klötzen, so will es der Herr, in erhärteten Klötzen, so
will es der Herr, in erhärteten Quasten wie Klötze herauskullern man habe ihm beide Hände abgeschnitten und sie
an den Fahnenmast gehängt ein Zeichen setzen Symbole zergehen die Gewalt, die Gewalt,
die bleibt.
Komplikationen bei der Züchtung, der aufgequollene, wütende Alchimist, sein Haar verfängt sich im Windrad, die stumme Sprache
weicht dem Rasseln weicht dem Geschrei, er wird fetter und fetter und fetter und fetter für all die Kräuter, all
die Öle wie Puderquaste der Dreck, er sammelt sich langsam im Nabel wie das Becken mit den erschlagenen Töchter, der Rausch der zehn
Minuten der vierzig Jahre des alten Vaters der alten Kirche, die niemandem gehört, die die Sicht auf den Hügel
versperrt (Ich nannte dich einen bösen Jungen weil ich von den anderen Welt nichts wissen wollt) mach uns stolz, Wasser, ER WANDERT
kleiner, langhaariger Held, blutige Füßchen, saubergeleckt von hungrigen Zungen, auf geschwollenen Fersen
zum Schaffott, wir verhungern, ja, aber wir
folgen zur Ballustrade der Parthenogenese, nie hungerst du, alter Vater, Erichthonios, der du bist,
und der Samen fiel zurück auf die Erde und erblühte in Kränzen aus gleißendem Licht, erquickender Strand, golden das Wasser,
der Sand, hier ist es also in all dem, das letzte Wort soll lauten: Bartender sollst du tun, und das Blaublink
das Blaublink die Pflaumen am Heck des schwindenen Schiffes, ich wäre so gerne mit.
alter Mann, der er ist, Erichthonios, unser Held, der du bist, faltet die Händ und schiebt
sie in den Schoss, und dann darf ich: teures, fleischfarbenes, häärchenübersäätes Kompositum;
ich verkaufe die Zepter für einen Schilling
oder ein Fass sauberen, destillierten Melonenwassers, warum bin ich hier ich
will zurück nach Lemnos, in den Gewässern, die Arme der Thetis, Euronyme sollen für mich das gleiche tun,
alter Vater, der du bist, "Und er krümmte sich vor Lachen."

Dienstag, 5. Mai 2009

Threads Pt.6 : Kovak

Chris sah dem trägen Fluss nach, der sich unter der Western Bridge hindurch wand und den Fuß der Skyline in weiter Ferne in einer
sachten Kurve streifte. Er lehnte an einem der verwitterten, rostigen Pfosten, die das Fundament der Brücke hielten und durch sie
hindurch in zwanzig Metern Höhe die monströsen Stelzketten trugen. Er starrte seit einer geschlagenen Stunde auf den gleichen,
undefinierbaren Fleck inmitten der dunkelgrünen Gewässer und rang mit formlosen, nonverbalen Gedanken, die um seine persönliche,
ungeschliffene Wahrheit rangen, um seine Sicht der Dinge. Von der Brücke aus, den regen Verkehr im Rücken wohnte er nun
einer Großstadt bei Nacht bei und malte sich ihr ebenso rohes wie unbegreifliches Potenzial an Erwartungen und Gelegenheiten aus,
die ihm grundsätzlich verwehrt blieben.
Gefestigten Willens und hochkonzentriert hatte er das Motel verlassen und ihre Leiche in die Badewanne gehievt. Das Zimmer hatte er nicht abgemeldet, er brauchte nur diesen Ausblick bei Nacht, diesen Versuch der Beruhigung, um seine nächsten Schritte planen zu können.
Er empfand Furcht, aus vielen Gründen, aber
diese eine, vorwiegende Furcht, die sich ihm förmlich aufdrängte, löste gleichermaßen ein Gefühl der Genugtuung in ihm
aus. Als bliebe ihm eine Erkenntnis vorbehalten, die allen Gelegenheiten dieses gläsernen, blinkenden Monstrums
bei Nacht zuvorkam und sich nicht mitteilen ließ.
So drang er von diesem Beobachtungsposten in die verteerten Eingeweide des Monstrums ein, ausgerüstet mit einer lautlosen, ungehörten
Stimme und höhlte die Organe dieser ruhelosen Maschinerie aus. Er entwertete seine Beständigkeit und Urbanität, stand in Gedanken am
Fuße der Müllstrände und Pisslachen, die ihre Geschichten dem blinkenden, wolkenbehangen Firmament vorbrachten und einem konstanten,
im rauschenden Brechen der Wellen verpacktem Wispern das Vortragen ihres Laments auftrugen.
Dort, wo der Fluß über die Betonabgrenzung brach und den Schimmel, den Abfall der Stadt in einer trägen, müden Bewegung immer wieder
einsog und ausspie kulminierte alles. Es war, wie gesagt, in seiner Komplexität so seltsam reduziert, die Zwecke dieser Welt so
pietätlos zur Schau gestellt, und alles schien diesem strikten Kanon der Funktionalität so wundersam ergeben, dass es Chris den
Atem verschlug. Welch schamlose Kohärenz, die sich aus diesem Kanon heraus schöpfte, der weit über die Skyline hinaus hallte und
alles Wispern in sich einschloss und erstickte.
"Ich bin ein wenig neugierig, Chris."
Er erschrak und wich zurück. Für einen kurzen Moment schien es, als ob diese Stimme von allen Seiten auf ihn eindringen würde. Er
sah um sich und registrierte diffuse, vom Scheinwerferlicht verzerrte Schemen eines Mantelträgers, der von der Westseite der Brücke
langsam auf ihn zukam, ruhigen, sicheren Schrittes.
"Wie du es getan hast."
Die Gestalt verschränkte in einer bedeutungsschwangeren, erwartungsvollen Geste die Arme, ohne ihren Gang zu verlangsamen.
Ihre Händen verbargen sich hinter rostfarbenen Lederhandschuhen, sowie ihr
Gesicht hinter einer bleichen, unwirklichen Totenmaske. Ein Hauch schwelgender Unwirklichkeit begleitete jeden Schritt dieses Mannes,
ein zwischen brütenden Lichtkegeln geborenes Pandemonium, ein Bote des Sonderbaren, mit einem krächzenden Timbre in der Stimme, das
den Verkehrslärm mühelos überthronte. Das Gesicht wurde deutlich, es waren die femininen Züge einer gealterten Frau, Züge,
die von einer urzeitlichen Freude an der Grausamkeit zeugten, ein spitz verlaufendes Grinsen aus gebleckten, weißen Zähnen und
schwarzem Lippenstift.
"Wie du es getan hast, mit diesen zarten Händen."
Die Gestalt stand nun direkt neben ihm, und Chris war unfähig, sich zu rühren. Der Geruch alten Leders und teurer Schuhcreme stieg
ihm in die Nase. Ein so erdgebundener Geruch, und dazu dieses Lächeln, das einen wohl an den Pforten der Hölle willkommen heißen
würde. Eine groteske Hitze breitete sich in seinem Schritt aus, Chris traute sich nicht, zurückzuweichen, selbst als aus der Hitze
ein handfester Schmerz wurde und ihm Bilder von Fäulnis und toten Insekten durch den Kopf schossen. Ein leichtes Nieseln hatte
eingesetzt, und der Mann griff wie auf Kommando nach seiner linken Hand und zog sie sachte an sich.
"Du hast sehr zarte Hände, ja die hast du. Ganz bestimmt.", sagte der Mann, lächelte, und bohrte seinen Blick in Chris' Augen.
Chris hatte aufgehört zu atmen. Er hätte sich mit nichts auf der Welt gegen die Annäherung wappnen können, gegen die unerträgliche, einlullende
Zärtlichkeit, mit der diese geschah. Der Mann hatte mit dieser Geste ein intimes, schreckliches Band zwischen sie beide geschlagen,
und Chris war sich sicher, dass ihm eine weitere Berührung durch diese Hände das Leben kosten könnte.
Langsam zog er seine Hand zurück und bemühte sich, die Todesangst in seinem Blick zu verbergen, als
unmittelbar der Schmerz in seinem Schritt anschwoll. Chris hatte größte Mühe, ihn zu verbergen und mied den aufmerksamen
Blick der Gestalt. Die Welt fiel durch ein Raster, dessen einziger Parameter Urangst war, begründet in dieser Fratze.
"Sehr zärtliche Hände, Chris." Der Mann, oder diese Frau, fuhr ihm zärtlich durch die Haare und lächelte ihn mütterlich an.
"Bitte...", flehte Chris, ohne recht zu wissen, warum. Plötzlich riss etwas, in seinem Schoss explodierte die Hitze des Schmerzes. Stöhnend lehnte er an die steinerne
Ballustrade der Brücke und blickte auf die Stelle, von der dieser Schmerz ausging. Ein dunkler Fleck war zu sehen, der sich rasant ausbreitete.
"Ich heiße Kovak. Ich begleite dich ein Stück, wenn du nichts dagegen hast.", sagte der Mann und reichte ihm die Hand. Chris konnte
nichts erwidern, er sackte unter den unsäglichen Schmerzen zusammen und versuchte entgegen der Krämpfe von diesem Seraphen
wegzukriechen. Er wartete nur darauf, dass dieser seine dunklen Schwingen spreizen, ihn an seine Brust holen und mit ihm in
den Nachthimmel entsteigen würde, aber durch den Dunst aus Schmerz und Furcht erkannte Chris, dass diese Gestalt und das
dunkelrote Blut, das sich auf seiner Hose ausbreiteten, allzu real waren. Keine schmerzliche Inauguration, kein Bruch
mit seiner Erdgebundenheit würden stattfinden. Er kroch mitten auf der Western Bridge von einem mysteriösen Mann weg,
der sich Kovak nannte und litt schlagartig Höllenqualen. Die Frage nach dem Warum zerging hinter besagtem Dunst,
und das Wesen, das sich Kovak nannte, reichte ihm nun die Hand.
Chris konnte nicht anders, er ergriff sie, in der absurden Hoffnung, das diese eine Berührung, von der vor ein paar Sekunden
gedacht hatte, sie könnte seine Seele verzehren, diesen schrecklichen Schmerz beenden würde. Und so kam es. Der
lederne Handschuh umfasste Chris' Hand fest, zog ihn hoch, die Wellen des Schmerzes verebbten, und Kovak, wie es sich
nannte,
drückte Chris einen zärtlichen Kuss auf die Lippen.
Seine Hand kräuselte dabei sein Haar, hielt seinen Kopf bestimmt fest. Kovak würde entscheiden, wann der Kuss zu Ende
war, und vollkommen erstarrt vor Entsetzen ließ Chris es über sich ergehen.
Dann hielt Kovak inne, lächelte Chris gedankenverloren an und machte ein paar provisorische Schritte zurück,
worauf sich Chris zu seinen Füßen erbrach.
"Hast ihr deine Händchen um den Hals getan und ganz fest zugedrückt."
Chris schüttelte sich noch unter Krämpfen, da lehnte Kovak bereits verträumt an der Ballustrade und beobachtete das grüne Lichterspiel
auf dem Fluss.
"Sie wird sich gewehrt haben. Auf dich eingeprügelt haben, wie von Sinnen, nicht? Hat an deinen Haaren gezerrt, gekratzt, getreten,
aber du warst entschlossen genug, ihr das Leben rauszupressen. Dann wurde sie schwächer, müder, ihr trüber Blick begann zu
flimmern, das gute Stück starb, unvermittelt. Erwürgt. Mein Gott." Er lachte spitz.
"Welch ein unrühmliches Ende für eine Königin."
Dann beugte sich Kovak zu Chris herab und kräuselte ihm erneut das Haar, verliebtes Zutun, das Chris eine weitere Woge
seines Mageninhaltes entlockte. Er kotzte sich die Seele aus dem Leib, aber als er fertig war, schlug er die Hand
der Gestalt wütend von sich weg, erhob sich und fixierte sie, benebelt und taumelnd. Gleichmütigen Blickes wich
Kovak erneut ein Stück zurück.
"Um ehrlich zu sein...", keuchte er, "...um ehrlich zu sein war sie relativ gefasst. Sie schien nicht sonderlich überrascht."
Hustend, aber gefasster als zuvor schaffte er es sogar, Kovak's Anblick zu ertragen. Er lächelte, und Kovak erwiderte sein
Lächeln.
"Das sieht ihr ähnlich.", flüsterte er vielsagend und blickte mit bedeutungsschwangeren Augen auf die Skyline.
"Um wieviel vollkommener und freier diese Welt ohne sie ist.", sagte er und sah Chris von der Seite aus an, erwartungsvoll,
als müsse Chris die Bedeutung dieser merkwürdigen Aussage vollends verstehen. Dann erfasste eine gewisse Nervosität
den Seraphen, er wusste nicht so recht, wohin mit seinen Händen, bis er sie hinter den Armen verschränkte. Seine Gedanken
schienen zu rasen, er kaute auf der Unterlippe und schien von einem leichten Zittern erfasst.
"Ich...muss dich um einen Gefallen bitten, Chris."
"Wer bist du?"
"Ich muss dich um einen Gefallen bitten, Chris."
Stille. Das konstante Rauschen des Verkehrs. Das Tröpfeln des Regens auf den Schulterpolstern des Mantels, den Kovak trug,
und das Raunen des Windes waren alles, was Chris' unmittelbare Einsicht begleiteten, dass er, ohne auch nur eine Idee zu haben,
warum, alles für Kovak tun würde. Der widerwärtige Kuss brannte noch immer auf seinen Lippen und hatte einen kupferartigen,
metallenen Geschmack auf seiner Zunge hinterlassen.
"Kannst du mich zu ihr bringen?", fragte er, ohne Chris anzusehen.
"Zu ihrer Leiche? Warum?"
Erneut das spitze Lachen.
"Ich muss sie sehen."
"Bin ich tot?"
Schlagartig wandte Kovak Chris seinen Blick zu, und der Ausdruck war nicht zu beschreiben. Jegliches Körpergefühl
entwich Chris plötzlich.
"Bin ich tot? Und du sowas wie mein letztes Geleit, zurück zu meinem größten Vergehen? Ist es das?"
Kovak lächelte, und ein Wagen schlüpfte plötzlich aus dem Verkehr und hielt genau neben ihnen. Der Fahrer war nicht
zu erkennen, verborgen hinter einem Vorhang scheinbar gewollter Dunkelheit.
"Oder träume ich?"
Kovak zog das Leder um seine Hände fest und ging um den Wagen herum zur Beifahrertür. Plötzlich schien er jegliches echte Interesse an
Chris verloren zu haben. "Steig in den Wagen. Bring mich zu ihr."
Wortlos stand Chris eine Weile da, dann gehorchte er und stieg ein, und der Wagen ordnete sich wieder in den Verkehr ein.

Mittwoch, 29. April 2009

Threads Pt.5 : Das Auge eines jeden Sturms

Er hatte sich ihr durchaus verständlich gemacht, aber Christine nahm sich die Zeit, den Entschluss des Schakals in ihr Bewußtsein einsickern
zu lassen, und diese Minute gewährte er ihr auch. Seine Geduld wollte Christine jedoch nicht überstrapazieren, und als sie von der Bühne kletterte und
leichten Fußes auf ihn zuging, spürte sie, wie der Schrecken langsam aus ihren Knochen wich. Sie fühlte sich ruhig, gesetzt. Umgeben von
Entitäten, die jede Faser ihres Körpers und ihrer Seele guthießen und sich kein Urteil über das Summarum ihrer Geschichte erlaubten, war sie
buchstäblich befreit worden von allen Formen strikten Leids, sie trieb in den Wogen der Aula wie ein loses Blatt Papier.
Nichts, kein Moment, schien vergeudet worden zu sein, alles war an seinem rechten Platz; hier, am Schlusspunkt
ersparten ihr die Erinnerungen auf wundersame Weise die schwermütige Gewahrwerdung ihrer Geschichte.
Und sie sah, dass die Tür nach draußen ein Stück weit offen stand, und dass es draußen heftig stürmte. Die Natur tobte, trieb
ihre Kräfte über das Antlitz der Welt und ließ die alten Wände der Aula erzittern.
An der Seite des Ausgangs hatte der Schakal geduldig Stellung bezogen. Er sah ihr entgegen, seine Augen ein offenes, lebendiges Firmament, eine
sichelförmige, schneeweiße Iris, umrandet von dunklen Wogen. Die restlichen Schakale sahen Christine aufmerksam nach, als wären sie Zeuge
eines zeremoniellen, ehrfurchterregenden Aktes, derer sie nicht würdig waren.
Als sie an der Tür stand, fühlte Christine die gleiche bittere Kälte, die ihren luzidalen Lustrausch begleitet hatte, und sie strömte in unbarmherzigen,
heftigen Wogen nach innen. Ihr Gesicht verriet keine Furcht, sondern zeigte den stolzen Gleichmut einer zum Tode verurteilten, die das
Unausweichliche hinnahm und sich um Haltung bemühte. Die Fenster zitterten unter der Wucht des Sturmes, Staub wirbelte auf, die Natur
bemühte sich redlich, ihre Gefasstheit zu brechen, aber der Schakal stiftete mit einem vorsichtigen Blecken seiner Zähne seltsame Zuversicht.
"Der Fluß wird dich nach Hause bringen. Ich begleite dich ein Stück, wenn du nichts dagegen hast."
Sie lächelte.
"Warum sollte ich?"
Er quittierte die Gegenfrage, indem er seine Hand auf ihren Rücken legte und sie sanft zum Ausgang schob. Noch bevor Christine einen
Blick zurückwerfen konnte, stolperte sie nach draußen und wurde von der Wucht
der Natur vollends erfasst. Faustgroße Hagelkörner prasselten auf sie ein, eiskalter Regen zerrte an ihr, drückte sie nieder. Der gesamte
Himmel schien von dunklen, züngelnden Flammen verzehrt zu werden, Donner brach über sie beide herein, ehe die Welt ihre dunklen
Konturen einem blendenden, allgegenwärtigen Blitz preisgab. Durch die Kulisse des Regens
konnte Christine einen Blick auf eine Landschaft erhaschen, die von der Wucht des Sturmes ein neues Antlitz erhielt.
Aufgequollene, in Lawinen ausgesonderte Erde, ausgerissene Tannenstämme, die manchmal träge, manchmal sprunghaft über
die Hügel wanderten. Christine trat zurück, doch die Tür
zum alten Theater fiel zu, und nur die menschenähnliche Pranke des Schakals an ihrem Körper erinnerte sie daran, dass sie dem perfekten
Sturm nicht alleine ausgeliefert war. Er versprach Schutz, er war ihr Geleit, und just als sie auf die Knie fiel, ihr Körper erschüttert
vom ohrenbetäubenden, rauschenden Gebrüll des Sturms, brach die Welt entzwei und alles, was von der sintflutartigen Wut des Sturms
übrig blieb, war die Hand des Schakals an ihrer Hüfte.
Langsam öffnete sie die Augen. Das Treiben des Sturmes spielte sich hinter einer unsichtbaren Wand ab. Kein Rauschen,
keine Kälte drang zu ihnen durch. Ein gläserner, harter Kokon hatte sich schlagartig gebildet und schützte sie vor dem Sturm, gewährte
ihnen die Ruhe und den Ausblick, die nötig waren, um
sich den Eingeweiden der in sich zusammengestürzten Fassade aus Dunkelheit und Staub zu stellen. Hinter jener makellosen,
gläsernen Wand war es, als ob sie in einen pechschwarzen, brodelnden Ozean blicken würde, der sie sofort verschlingen würde,
sollte die Wand unter der knirschenden Kraft der Natur nachgeben.
Der Schakal blickte zufrieden einmal um sich und ließ von Christine ab.
Zwischen den rubingroßen Körnern, die
vom Himmel fielen, lautlos an der Wand zerschellten und den Schlieren der Regenwand blitzte das ungemein klare,
reflektierte Licht einer Sonne auf, die sich um Geltung bemühte. Ein Fluß, der keine großen Wellen schlug und dem Sturm nahezu
gleichgültig begegnete, bahnte sich seelenruhig und unaufhaltsam seinen Weg durch eine verwüstete Natur.
"Als Auge dieses Sturmes hast du das Privileg zu entscheiden, ob wir ost- oder westwärts entlang des Flusses wandern.", sprach
der Schakal, und Christine zögerte nicht lange und deutete aus einem unbestimmten Impuls heraus gen Westen.

Sonntag, 26. April 2009

Threads Pt.4 : "Kräfte, die es nicht gut mit mir meinen."

Der gesammelte Schmutz in den Rillen zwischen den Kacheln kam als erstes dran. Obwohl ihr Wüten überall in der gesamten
Suite regelrechte Spuren von Dreck und Selbstvergessenheit hinterlassen hatte, begann er mit dem Schimmel,
der sich ohne ihr Zutun über die Jahre zwischen den Kacheln gebildet hatte. Im Waschbecken stapelte sich das Geschirr, und Fetzen der
Bettdecke, von denen er nicht sagen konnte, wie sie in die Küche gekommen waren, hingen in seinen Haaren, lagen zerstreut
herum, rubinrote Überbleibsel einer indischen Gottheit. Etwas knisterte und weichte die Stille ein wenig auf,
was ihm half, sich zu konzentrieren und ganz seiner Aufgabe zu widmen.
Mit unbändiger Kraft rieb er
den Schimmel auf, penibel und sorgfältig, und dass Christine, leblos, mit Würgemalen am Hals,
wie eine Stoffpuppe, derer man sich achtlos entledigt hatte, in den Trümmern des Mahagonitisches lag, spielte sich in einem
anderen Zimmer, in einem anderen Kosmos ab. Er war hier, sie war dort. Einzig die Stille schlug ein eisernes Band zwischen
beide, weshalb er nackt auf den Kacheln kniete und schrubbte.
Nachdem er neben ihr aufgewacht war, hatte er sofort verstanden, dass sie tot war, noch bevor er sie erblickte.
Die Gewalt,
mit der es passiert war, hallte unbestimmt in diesem Raum nach und hatte ihn als erstes erfasst, als er zu Bewußtsein gekommen war.
Etwas Schreckliches war passiert, hatte ihn zutiefst erschüttert und seine gesamte Welt auf den Kopf gestellt, aber sein Geist hatte
während des luzidalen Deliriums zwischenzeitlich
ganze Vorarbeit geleistet und die Ordnung wieder hergestellt. Er fühlte sich ausgeschlafen, ruhig, und ging nun dem Impuls nach,
seine überschüssige Energie am Chaos auszulassen, das sie hinterlassen hatten. Dennoch, bei aller Konsequenz, etwas hing ihm nach, ließ ihn nicht los.
Er ärgerte sich, dass er ihr
in einem Anflug sentimentalen Wehmuts die Augenlider geschlossen hatte, mehr als das, es quälte ihn. Warum, konnte
er sich auch nach reifster Überlegung nicht beantworten. Vielleicht war es, so salopp und beiläufig er es getan hatte, ihrer
nicht würdig gewesen, anderseits waren es die Male an ihrem Hals ebenso wenig, und diese zogen kaum seine Aufmerksamkeit
auf sich. Vielleicht, mit großer Wahrscheinlichkeit,
war ihm diese Sentimentalität vor sich selbst peinlich. Abgesehen davon, dass sie zweifelsohne unangebracht war, es erschien ihm,
stellte Chris fest und hielt inne, einfach albern.
Zufrieden richtete er sich auf, klemmte das Haar hinter die Ohren
dann begab er sich ins Wohnzimmer und betrachtete sie.
Sie lag noch immer, nackt bis auf eine beigefarbenes Nachthemd in der gleichen, lächerlichen Pose im Trümmerhaufen des Tisches,
das rechte Bein hing reglos über der Couchlehne,
die Finger an ihrer linken Hand waren alle ausnahmslos gebrochen und standen in absurden Winkeln ab.
Dass ihn ausgerechnet ihre groteske Nacktheit, diese naturgegebene Anmut ihres Körpers in dieser
schmerzlich anzusehenden Pose mit Bitterkeit erfüllte, trieb Chris die Zornesröte ins Gesicht, er war
seiner Gefühle nicht mehr Herr, das galt es nun zu erkennen und einzusehen. Hier, in diesem Raum hatten Kräfte ihre Finger im Spiel, die es nicht gut mit ihm meinten.
Er beschloss, zu handeln.
Langsam näherte er sich ihr, umfasste vorsichtig ihr rechtes Bein, und begann, die Leiche unliebsam aus den Trümmern zu zerren.
Als sie dann ausgebreitet vor ihm lag, begab er sich zurück in die Küche, füllte einen Topf mit kaltem Wasser und goss ihn ihr über. Das machte er sechs, sieben Mal,
bis der gesamte Boden des Wohnzimmers unter Wasser stand und sich ein widerwärtiger, schleimiger Film auf ihrer Haut bildete. Als er dann
den leichten Schlag ins Rot wahrnahm, der das Wasser verfärbte, erfüllte ihn ein Ekel, den er in keinster Weise mit der Leiche in Verbindung brachte, es war der
strikte Anblick dieser Farbe, der Übelkeit in ihm hervorrief. Sie wollte und schien nicht recht ins Bild passen zu wollen. Wie gesagt, in diesem
Raum waren ihm die Kräfte nicht freundlich gesonnen. Sie waren auf ihrer Seite. Sie. Die ihn bewundert hatte. Die zu ihm aufgesehen, ihn auf eine
verschrobene, aber aufrichtige Weise geliebt hatte. Was in Gottes Namen war hier passiert? Wie hatte es so weit kommen können?
Hatte sie ihn provoziert? War er über sie hergefallen, weil sie ihn wütend gemacht hatte, und war es dann, inmitten des luzidalen Rausches zu einem
unglücklichen Mißgeschick gekommen, der ihr das Leben gekostet hatte? Schweigend betrachtete Chris den toten Schneeengel zu seinen Füßen und musste
feststellen, dass die Würgemale, die gebrochenen Finger und die vielen blauen Flecken nur einen Schluss zuließen: Er hatte ihr gezielt Schmerzen zugefügt.
Er hatte sie aus einem vermeintlich rational gefassten Entschluss umgebracht. Es war kein Unfall gewesen. Die Gewalt, die er ihr angetan hatte, hatte
ihren absonderlichen Zweck erfüllt. Ärgerlich, dass er sich an diesen nicht erinnern konnte. Dass er sich an rein gar nichts erinnern konnte, nur diese
dumpfe, schreckliche Woge, die in ihrem Aufkommen so seltsam dialektisch war für jedes Mal, wenn er eine Grenze überschritten hatte, um an
einen Ort zu kommen, der neues versprach und die Welt mit einem neuen Glanz versah, der Progressivität und Leben verhieß. Veränderung der Wahrnehmung
um jeden Preis. Das Verschieben der Prioritäten. Altbewährtes verliert an Bedeutung, um nach langer Zeit, an einer anderen Weggabelung wieder
als frische Quelle des Seins herhalten zu können. Ein Zyklus. Ungemein komplex und doch auf bedrohliche Art und Weise reduziert, wenn man sich
ihm vom falschen Ausgangspunkt nähert. Dem galt es vorzubeugen. Es tut mir leid, Christine.
Er ging zurück in die Küche und fuhr damit fort, die Rillen zwischen den Kacheln zu säubern.

Montag, 20. April 2009

Threads Pt.3 : Silber

An diesem Punkt war Christine schon so oft nach einer Aufführung angelangt. Ihr Körper fühlte sich leicht an, sie atmete ruhig, gleichmäßig und betrachtete
sich im Spiegel. Das Abflauen der bigotten Erregung fühlte sich unangenehm an, als hätte sie sich selbst als Teil dessen
entlarvt, dem sie stets mit so abschätzigem Gleichmut begegnet. Ein Linchpin in der Emulationsmaschine, dachte sie und
atmete tief ein. Ihre Hand
fuhr durch die Haare und tastete das Gesicht nach der Prellung ab, die sie sich eingeholt hatte, als der Schakal sie in die Wanne
gedrückt hatte. Oberhalb des Wangenknochens, kurz unterhalb der Schlefe fand sie die Schwellung und stöhnte kurz auf.
Heißer Dampf stieg aus der Dusche auf und beschlug den Spiegel. Als sich ihr Gesicht im Dunst verlor, streifte sie langsam das Kostüm ab, ehe sie
bis auf einen Slip splitterfasernackt auf den Kacheln stand und die Vorführung Revue passieren ließ. Diese Stille, der Riss in der
Kulisse, das schwarze Plastik, das berührt werden wollte. Momente in der Aufführung,
in denen ihr die Kontrolle regelrecht entgleiten wollte, um ein wenig Raum für echte Empfindungen schaffen zu können.
Das seltsam dialektische Ausblenden des Publikums und die echte Erregung in ihrem
Schoß, als die Schnauze des Schakals sich ihr aufgedrängt hatte. Etwas in diesem Sammelsurium der Eindrücke, vielleicht
eine Form des Stolzes, die ihr ausnahmsweise nicht unangenehm war, bescherte ihr den dosierten Schauer den sie benötigte, um
mit der Aufführung ihren Frieden schließen zu können.
Schließlich hatte sie gute Arbeit geleistet.
So ging sie ein weiteres Mal in sich und dankte als Katharina ab.
Der Moment, in dem Christine wieder die alleinige Kontrolle über ihren Körper erlangen konnte wäre nun erfolgt. Aber er kam nur zögerlich und
ließ sie eine lange Kette von Momenten lang in unerträglicher Leere verharren. Als
sähe sie sich gezwungen, sich bruchstückhaft wieder einzusammeln, sackte sie erschöpft ein und lehnte an das Waschbecken.
Ihre Gefühle trieben noch immer im Spannungsfeld zwischen dem, was sie vor wenigen Minuten war und dem Menschen, der sie nun wieder versuchte
zu werden.
Seufzend knebelte sie den rechten Nippel, bis er hart wurde, und starrte gedankenverloren in den Dunst.
Nichts regte sich in ihr. Der Blick in die Leere, den sie von Katharina übernommen hatte.
Diese geschundene Haltung. Sie war gefährlich gut darin, diese Schwäche und Selbstaufgabe zu emulieren.
"Komm zu dir.", flüsterte sie.
Starrte sich an.
Entledigte sich ihres Slips und wartete eine weitere Minute auf etwas, von dem sie nicht sagen konnte,
was es sein sollte.
Bis das Plätschern in der Dusche sie an all die künstliche, rote Farbe erinnerte, die ihren Körper zierte.
Christine bestieg die Kabine und drehte das heiße Wasser auf.
Katharina's Haut fiel wie Schuppen von ihr, der Chanson ihrer Schmerzen hatte aufgehört, in ihren Ohren zu klingeln. Ihr Körper
brannte in der Hitze und ergab sich der Woge. Die innere Unbestimmtheit, der Schwebezustand, diese unangenehme, entlarvende
Leichtigkeit, alles verging im Dampf und in der Hitze und wie als Antwort auf diese unrechtmäßige, innerliche Befreiung fing die
Prellung an unerträglich zu pulsieren. Irgend eine Regel, die auf sublime, schicksalshafte Weise ihr Leben vorausgezeichnet hatte,
hatte sie an diesen Punkt geführt. Christine wusste das und gestand sich einen Moment lang ein tiefes, seliges Vertrauen in die seltsame Ungestümtheit ein,
mit der sich diese Regel bis heute ihren Weg gebahnt hatte.
Angefangen von ihrer Kindheit in Lourdes, den kurzen Jahren in Paris, dem Ausbruch und den folgenden Jahren in
den Wirren aller Ecken, die Europa an sich selber noch nicht kannte. Stets ungestüm. Als wäre sie tief in sich
überzeugt, mit aller Gewalt Grenzen einreißen zu müssen, von denen sie oftmals nicht mal sicher war, ob sie überhaupt
existierten. Oft hatte sie sich selber diese Grenzen gesetzt, nur um sie dann einreißen zu können. Es lag auf
der Hand, dass dieser Selbstbetrug eines Tages auffliegen würde, und Schmerz würde folgen. Dies geschah, als
sie neunzehn war, und aus ihrer Orientierungslosigkeit erwuchs eine grassierende, schwer zu bändigende Depression.
Stöhnend drehte sie das Wasser noch heißer, bis es fast unerträglich wurde. Rote Schleifen umspielten ihre Füße, formten
Spiralen und verschwanden im Abfluß. Gesetzt in diesem Dunst war sie unsichtbar und zugleich blind für alles um sie herum.
Da sie auch mit dem Rücken zur Tür stand, bemerkte sie nicht, wie sich diese langsam öffnete.
Jemand mit der Körpersilhouette eines Menschen und den Kopfschemen eines Schakals trat in das Bad und schloß
die Tür wieder vorsichtig. Flink, ebenfalls tänzelten seine Füße über die Kacheln und kamen
der Duschkabine näher, der splitterfasernackte Schakal, sein erfrorenes Grinsen.
Die menschliche Hand des Schakals öffnete die Duschtür, aber Christine reagierte nicht. Erst als er ganz nah hinter ihr stand
und seine Schnauze in ihr nasses Haar versenkte, lächelte Christine. Mehr Reaktion konnte ihr das Erscheinen des Schakals
nicht entlocken. Dort verharrte er fast eine Minute, ohne sich zu bewegen,
wartete auf ihren Schrecken, auf ihre Erregung.
Dann drang sein allzu menschliches Glied von hinten in sie ein, er riss sie an sich, umschloss ihren Hals mit
seiner gewaltigen Hand und drückte ihr die Luft zu. Christine keuchte, aber wehrte sich nicht, stöhnte und lehnte den Kopf
nach hinten, um das schwarze Plastik erneut fixieren zu können. Vereint im Dunst
begannen sie sodann, sich im gleichen, immer heftiger werdenden Rhytmus zu bewegen. Sie suchte Halt, zerbiss
sich die Unterlippe, schlug heftig gegen die Kabine, aber gab keinen Schrei von sich. Das Plätschern erstickte ihr
heiseres Keuchen und des Schakals anschwellendes Grunzen, sie schufen sich einen begrenzten, atemlosen Kosmos
inmitten von Hitze und laufendem Wasser.
Die Hand des Schakals lag noch immer
um ihren Hals. Drückte zu, gab nach, drückte erneut zu. Tränen rannten über Christine's Wangen. Die Gewalt des
Schakals hatte sie nun an die Wand gedrückt, seine Hand ließ ab von ihrem Hals, packte ihren Kopf bei den Haaren und schlug
ihn gegen die Keramikwand. Christine seufzte, ein weiterer Schlag folgte, dann drückte ihr das Mischwesen
wieder die Luft zu. Ihr Körper erodierte und erzitterte, sie wurde fast ohnmächtig.
Als sie fertig waren, glitt der Schakal an ihr herab und setzte sich. Christine drehte das Wasser keuchend ab, bis nur noch
ein leichtes Tröpfeln zu hören war und setzte sich im Schneidersitz genau gegenüber den Schakal.
In undurchdringlicher Stille vereint fixierten sie einander, als hätten sie sich gerade erst kennengelernt. Verwundert,
mit zusammengekniffenen Augen wanderte Christine's Blick über den nackten, menschlichen Körpers des Schakals.
Ihre Finger zeichneten eine unsichtbare Linie auf seiner Brust, dann suchten ihre harten, eisblauen Augen
sein Antlitz.
"Du kannst die alberne Maske jetzt abnehmen."
Der Schakal schien die Stirn zu runzeln. Christine fügte noch ein gewinnendes Lächeln hinzu,
und räuspernd korrigierte das Mischwesen seine Sitzhaltung.
"Nenn sie nicht albern.", flüsterte er.
"Aber das ist sie."
"Sie ist das Antlitz eines Schakals."
"Ja. Und zwei Stunden nach der Aufführung trägst du sie noch immer."
Fragend, ohne ihr Lächeln los zu werden, hob sie die Augenbraue.
"Sie gefällt mir."
"Du hast wirklich zugebissen. Warum?"
"Ich hatte Lust."
"Mach das nie wieder."
Der Schakal lachte heiser.
"Warum? Hat es etwa weh getan?"
"Es hat mich durcheinander gebracht. Und es ist widerwärtig, vor mehreren hundert Leuten die Zunge
reingeschoben zu kriegen. Nie wieder."
"Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, die Szene zu erweitern und dich zu ficken."
"Ist das dein Ernst?"
"Ich hätte dich gerne gefickt. Vor all diesen halbtoten Aasgeiern. Und meine Ladung in die ersten Reihen gespritzt"
"Francois hätte das nicht gemocht, glaube ich."
"Francois gehört in diese ersten Reihe, wenn ich abspritze, und nicht auf diesen Stuhl."
"Mag sein." Christine hielt inne.
"Ich überlegs mir."
"Was?"
Ihr Blick leerte sich.
"Ich glaube...es würde mir gefallen."
Sie stand auf und stieg aus der Kabine, warf sich ein Handtuch um und begann, sich die Haare zu fönen. Der Mann
folgte ihr und stellte sich hinter sie. Er sah sie durch die Fratze des Schakals an, aber sie erwiderte seinen Blick nicht,
worauf er kurz im Hinterzimmer verschwand. Jemand hatte unzählige Kissen und Laken durch die Wohnung geworfen.
Zerstreut lagen sie in jedem Winkel und verdeckten das Möbiliar und den Spiegel im Wohnzimmer.
Das Licht war gedämmt und Moschusgeruch lag in der Luft. Frank's Wild Years, in Christine's Augen Tom Waits'
einzigstes echtes Meisterstück lag seit einer halben Stunde knisternd im Spieler und wartete darauf, umgedreht zu werden.
Und inmitten dessen kniete der splitterfasernackte Schakal und kramte in einem Koffer.
"Weißt du...ich denke, dass wir nach Amsterdam der Sache ein Ende setzen sollten."
Entsetzt hielt Christine inne und wandte sich zum Rücken des Schakals.
"Die Zusammenarbeit mit Francois, keine Sorge." Er kicherte leise. "Was hast du gedacht?"
"Ich dachte du redest von dem ganzen...Ding. Keine Ahnung, welchen Namen es verdient."
Angeregt seufzte der Schakal und richtete sich auf. "Gefunden."
"Hm?"
Er kam langsam zurück. "Wir sind zwei ordinäre Menschen auf der Suche nach ein bisschen mehr.", flüsterte er,
während er näher kam.
"Wie kommst du da jetzt darauf?"
"Bescheidene, sehnsüchtige, destruktive Menschen."
"Das ist wohl ein wenig untertrieben."
"Nun ja. Ich glaube an Intuition. Und mehr tue ich nicht, außer ihr zu folgen." Er hielt etwas in seiner
rechten Hand und verbarg es vor Christine. Das Knistern hörte nicht auf.
"Vielleicht sollten wir anfangen, die Fragen besser zu formulieren.", flüsterte Christine. Sie musterte
ihre Prellung und warf dem Schakal einen entnervten Blick zu.
"Das haben wir auch schon versucht, wie du weißt. Und entgegen der weltläufigen Meinung wissen wir beide,
dass totale Freiheit in die Isolation führt. Wir versuchen es besser zu machen. Anders."
"Eine Gefahr.", flüsterte sie und legte den Fön beiseite. Draußen auf den Straßen streckte die Welt mit Geräuschen ihre
Fühler nach ihnen aus.
"Wir sind eine Gefahr. Der ganzen Geschichte müde geworden. Uns sind die Worte ausgegangen, und jetzt suchen wir Kompensationswege."
"Erkenntnis."
Christine konnte sich ihren Spott nicht verkneifen.
"Ein wenig großspurig, mein Lieber."
"Ich glaube, du bist zu bescheiden. Wir sind in einer sehr priviligierten Situation. Schon seit langem. Das hat uns
reifen lassen und unseren Blick für das Wesentliche geschärft. Wir haben Dinge gesehen, Christine."
"Und unseren Respekt vor dem Leben verloren. Vor unserem eigenem. Und dem der anderen."
Sie sah ihn an.
"Manchmal, weiß ich nicht, was ich getan habe, um dich verdient zu haben. Und was ich ohne dich tun würde."
Er lächelte.
"Der Gutmensch, der sich vor der Erkaltung fürchtet. Die Rolle steht dir nicht, Christine."
"Ich meine es ernst. Wir verlieren an Willen."
"Aber schätzen dafür die Existenz mehr denn je. Desto mehr wir uns von dem, was sie Leben nennen, entfernen desto
näher kommen wir dem Kern dessen, was Existenz ausmacht. Bitte bring mich nicht dazu, so zu klingen,
Christine. Worauf ich hinaus will für heute abend, ist hier drinnen."
Er zeigte ihr die kleine, smaragdgrüne Schatulle.
"Danach gehen wir hin."
"Das ist nicht dein Ernst."
"Doch. Der Trip dürfte gute fünf, sechs Stunden anhalten, dann machen wir uns auf."
Wartend hielt er ihr die Schatulle unter die Nase. Die Schakalsmaske behielt er unbeirrt an.
Sie sah ihn auf undefinierbare Art und Weise an. Etwas an ihm, die Selbstläufigkeit seiner Ideen, die Eigendynamik,
mit der er regelmäßig die Grenzen überschritt ohne auch nur den geringsten Schaden zu nehmen machten ihr Angst.
Sein Verstand war kristallklar, und die Art und Weise, wie er die Welt sah, lichtete den Nebel um sie beide. Sein
Instinkt für die existentiellen Dinge war das sicherste und wärmste Leuchtfeuer, dass sie beim Aufbruch in diese Welt
gefunden hatte. Und sie war lange unterwegs gewesen. Hatte sich, verwirrt und großspurig angetreten, um magische
Türen zu finden, an
ihren Eingeweiden überfressen und sich hemmungslos vergiftet. Der Schakal verstand ihren Schmerz. Er versah den Menschen
mit Umschreibungen, die warm und vergebend sein konnten, er konnte in ihnen wühlen und auf Dinge stoßen, von denen
sie nichts ahnten. Er konnte die Menschen sowohl in ihren besten als auch schlimmsten Eigenschaften an sich binden.
Rein instinktiv erfasste er, was seinem Gegenüber Furcht einflößte,
was ihn aufheiterte, woraus dieser Mensch gemacht war und konnte in allen jenen sehnsüchtigen Geist
herauslesen, der ihnen Würde verlieh. Durch die Aufrichtigkeit der Sehnsucht. Da war sie verankert. Des Menschen Daseinsberechtigung.
Die Grenzen dieser Sehnsucht waren
das Mittel, um zu verstehen, wo der Geist selbst seine Grenzen setzte. Sie wusste, wie besessen er davon war, etwas,
was er eine zeitlose Entität nannte, im Wesen des Menschen, nicht in seinem Handeln lokalisieren zu können. Eine Entität,
die dem Menschen den höheren Kontext zuwies, der seiner Natur endlich gerecht werden konnte. Diese Sehnsucht
war schon lange geboren worden, bevor sie sich kannten, und seine riskante Entscheidung, den Weg dahin zu erfühlen,
nicht zu erfragen, lag wahrscheinlich ebenso lange zurück.
"Alles, was dem im Wege steht, ist das Ich, nicht wahr, Chris?", flüsterte sie.
Er legte den Kopf schief.
"Für den höheren Kontext der Dinge muss das Ich überwunden werden. Sein Betrug an der Entität muss
aufgedeckt und bestraft werden."
"Zitierst du mich gerade?"
Sie funkelte ihn kalt an.
"Arroganz steht dir nicht."
Er lächelte.
"...jJa...wahrscheinlich."
"Es kann nicht überwunden werden. Aber das hier, das hier kann uns helfen es für kurze Zeit aufzulösen.
Also mach deinen Mund auf."
"Erst nimmst du die Maske ab. Ich glaube nicht, dass ich den Anblick aushalten werde."
Er hielt kurz inne. Seine Körperhaltung verriet eine gewisse Enttäuschung. Wahrscheinlich hatte er darauf spekuliert,
mit der Maske dem Trip eine gewisse Note zu verleihen. Aber dann legte er die Schatulle neben sie an das
Waschbecken und nahm die Maske ab.
Seine kastagnienbraunen, mittellangen Haare waren von Schweiß und Hitze aneinandergeklebt und boten einen wüsten
Anblick. Er zwinkerte geblendet, dann fixierten seine geröteten Augen Christine und sahen sie lange an.
"Besser?"
Statt zu antworten griff Christine zur Schatulle und öffnete sie. Drinnen lagen zwei dünne Blättchen, geformt
wie kleine Chips. Sie glänzten silbrigmatt und waren eine Fingerkuppe groß.
"Fast rein. Aber auch nur fast.", flüsterte er.
"Hm.", entgegnete sie, nahm einen der Chips vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger und führte ihn
zu Christian's Mund. Er sah sie herausfordernd an, dann öffnete er seinen Mund und ließ sie gewähren.
Dann tat er das gleiche bei ihr, und sie sahen einander lange an.
"Und nun..?"
Er nahm ihre Hände, besah ihre Handflächen, und auf seinem Gesicht zeigte sich die fiebrige, suchende
Erwartungshaltung eines Menschen, der aus einem kommenden, zigfach durchlebten Ritual eine neue
Kraft schöpfen, eine ihm bislang unbekannte Variable rauslesen wollte, die ihm die Konstanten seines
Daseins erträglicher machen würden.
"Nun...kommt es."

Es musste schon eine ganze Weile wirken. Christine wusste mit Gewissheit, dass dies nicht ihr Körper war. Durch ihn
floß kein Blut, sein Fleisch war astrale Fiktion, die Luft, die sie dachte zu atmen war ebenso unecht wie die Tonnen
von Staubflocken, die langsam zu Boden trieben. Sie war wieder auf der Bühne, und die gesamte Aula sah aus, als
wäre sie vor Jahren geschlossen worden. Der irreale Atem, der einfache Wimpernschlag brachte die Totenruhe in diesem
Ort zum Erzittern, die Fasern der Jahre auf den roten Stickdecken, die die hunderten Theatersitze verbargen schossen
angesichts jeder Regung Christine's erschrocken in die Luft, um wieder langsam zurückzupendeln.
Grelles Licht blendete sie. Es war der Richtkegel, der eigentlich das Augenmerk des Publikums auf die
passende Ecke des Geschehens auf der Bühne richten sollte. Aber nun fiel es auf Christine. Und es blendete, versengte
ihr die Haut mit dieser schieren, unerträglichen Hitze. Erst jetzt bemerkte sie
die abschälende Haut, die in durchsichtigen, sauberen Fetzen schlaff an ihr herabhingen. Sie zerfiel, aber als sie
an ihrem Körper entlang herabblickte sah sie ihre eigene Haut, rein, unbeschädigt, unberührt, nur jene unnatürliche
Fetzen, die an ihr hingen und ihr anscheinend nie gehört hatten. Sie sah um sich. Sie erwartete nicht, jemanden vorzufinden,
der wie sie vorübergehend an diesen Ort gekettet war. Aber diese klirrende Einsamkeit inmitten der Aula schien ihr
trotz der augenscheinlichen Botschaft ihres Unterbewußtseins nahe zu gehen; alles war erstaunlich klar und bislang hatte
ihr Innerstes soweit jene Ebenen abgeschält, um ihr einen Einblick auf etwas zu gewähren, was sie zwar schon lange
wusste, aber nicht minder bedauerte. Eine simple, räumliche Allegorie, die das allzu Offensichtliche zu Tage förderte.
Das arme, einsame Mädchen auf der Bühne.
Christine grinste.
Die Stille wird bald brechen, mein Kind, flüsterte sie, und wie auf Kommando
knarrte einer der Plenarsessel.
Dann noch einer. Und ein weiterer. Sie brauchte einen Moment, um zu verstehen, dass sie die Situation
in der Aula grundlegend falsch eingeschätzt hatte. Sie war alles andere als allein. Es war einerseits erleichternd, weil es die bleierne Einsamkeit
von ihr nahm, aber anderseits sah sie sich mit dreißig, vierzig dunklen Gestalten konfrontiert, die verstreut über der gesamten
Aula in den Sesseln saßen, mit jener monolithischen Ruhe, durch die sie ewigen Besitzanspruch auf diesen Ort in Christine's
Innerstem vermeldeten.
Und ihre Köpfe, soweit es ihre diffusen Schemen verrieten, waren die von Schakalen, ruhig, wartend und mit
ihrem Blick auf die Bühne gerichtet, wo es außer Christine nichts gab. Ihr Herz stockte. Sie realisierte mit erstaunlicher
Klarheit, dass dreißig bis vierzig Schakalsmenschen in der Aula saßen, keinen Laut von sich gaben und sie, Christine,
in aller Ruhe betrachteten.
Sie versuchte gar nicht zu fliehen. Bislang hatte sie ihre Glieder kaum bewegt, und sie wusste instinktiv, dass
diese ihr jeden größeren Befehl verweigern würden. Und wenn nicht: Der Kegel würde sie finden und sie sofort
wieder in den Fokus zerren. Plötzlich begann die warme Woge in ihrem Bauch ihr Übriges zu tun. Das Acid setzte
die körpereigenen Opiate soweit frei, dass sie stöhnend die Augen schloss und eine Welle durch ihren Körper schlug,
die sie in die Kniee zwang.
Die Sessel knirschten angeregt.
Die Wirklichkeit griff also durch den schwarzen Mantel der Aula hindurch und füllte das astrale Fleisch mit Erregung. Zwischen
ihren Schenkeln wurde es feucht, eine unwirkliche, aber klare Wärme, der sie nichts entgegensetzen konnte,
ergriff über ihren ertaubenden Körper die Kontrolle, Speichel hing an ihren Mundwinkeln,
die halbgeschlossenen Augen suchten im Flimmern nach den Schakalsköpfen. Sie saßen noch immer, die meisten
von ihnen mit verschränkten Beinen, manche hielten schwere Cognacgläser in ihren menschlichen Händen, und keiner von ihnen offenbarte eine Miene
oder ein Gefühl.
Erneut. Die Woge. Eine weitere, heiße Explosion in der Bauchmitte schickte die Opiate, das Glück auf
eine Reise. Die körperliche Erregung inmitten eines Traumes begann, zum Gegenstand des Trips zu werden, was
untypisch war, aber dies war auch keine typische sexuelle Erregung. Es war furchtsame Gier, geboren aus dem
Exhibitionismus, der sie den dunklen Betrachtern schutzlos auslieferte. Und so tierisch ihr Geschlecht und zwielichtig
ihre Manieren waren, sie ertrug es nicht, ohne Kommunikation dem Schirm ihrer Aufmerksamkeit unterworfen zu sein,
also trieb sie mit ihnen auf dieser animalischen, imaginären Welle, und der Affront, nun Lust zwischen den
Schenkeln zu spüren war eine Schutzmaßnahme, ein unterwürfiger Versuch, das Schweigen der Schakale zu brechen.
Soweit sie es beurteilen konnte, während ihr Schritt mit seiner Vibration die Stille der Aula brach und ihr Körper
den Staub zum Tanzen brachte, reagierten sie mit fast argwöhnischer Stille, während sich Christine mehr und mehr
selbst verlor. Die Wogen folgten in immer dichterem Abstand und erschwerten es ihr, beisammen zu bleiben. Es waren
horrende Orgasmen. Schier unkontrollierbar, ihre Kehle zuschnürend. So gab sie es auf, auf
die Beine zu kommen, sie blieb liegen, während ein erstickter Schrei nach dem anderen explodierte
und ihr im Anschluss ein infantiles Brabbeln über die Lippen ging. Der Verlust der ihr so wichtigen, galanten Weiblichkeit, aus dem Affront
der Lust wurde ein zutiefst erbärmliches Schauspiel.
Dann, plötzlich, stand einer der Schakale auf. Sie bemerkte es erst, als er die Hand hob und sprach.
"Bitte.", sagte er, mit klarer, fester Stimme, die ihr jedoch fremd war, "Bitte, bitte hör auf."
Verwirrt über den sachten, zurückhaltenden Tonfall des Schakals kroch sie von der Aula weg, in Katharina's geschundener,
gespielt flehentlicher Pose. Die Bedrohung, die von diesem
Voyeurismus ging, verpuffte mit einem Schlag, und Christine lachte. Laut und hysterisch. Lachte den Schakal aus. Lachte über ihre eigene törichte Annahme, diese Mischwesen würden ihre
Erregung teilen. Anscheinend waren sie aber über Christine's hemmungslose Körperexplosion echauffiert. Fast
peinlich berührt. Seltsame Traumwesen. In der Unsicherheit, mit der die Bitte an Christine getragen wurde, entblößten die ungebetenen Gäste in den Sesseln
eine seltsame, um Moralität und Zügelung bemühte Art und Weise, und um ihre Schemen bildete sich ein leuchtender Aureol, ein Kranz,
der Vergebung verhieß, dem Christine aber nicht trauen konnte. Eine weitere Woge. Ein weiteres, spöttisches Kichern, und Christine
genoss die Entwürdigung der Schakale so sehr, dass diese zum Mittelpunkt ihrer gegenstandslosen, morbiden Lust wurde.
Der Schakal unterließ es, den Satz ein zweites Mal vollständig vorzutragen und beließ es angesichts
Christine's Spott bei einem letzten, eindringlichen "Bitte."
Eine weitere Woge unterbrach ihr Lachen. Härter als die davor. Sie erwischte Christine mit derartiger Brutalität, dass sie sich luftschnappend
und mit verkrampften Gliedmaßen aufrichten musste, um Luft zu kriegen.
Es begann, die Grenze zum Schmerz zu überschreiten. Noch während die Wärme der Woge in ihren Füßen verloren ging,
bemerkte sie an der grotesken Anspannung ihrer Glieder, dass sie immer noch in einem Traum war. Immer noch gefangen
in der Aula, mit kreideweißen Knochen, Fetzen von Haut, in einer Lache von Tränen und Sekret.
Sie warf sich nach hinten und genoss die wenigen Sekunden vollkommen ohne Orgasmus. Sie kapitulierte, war unfähig, einen
tieferen Sinn in dieser Szenerie zu erkennen, bisweilen hatte er ihr Lust, Explosion, Diffarmierung und vorausgehende
Einsamkeit geschenkt, jetzt war da nur noch der Spott für die Schakale, und sie sehnte sich zusehends nach der zügelnden,
geißelnden Macht der Furchtsamkeit.
Nun lag sie da, ein tropfendes, tränenüberströmtes Häufchen Elend und wartete mit gemischten
Gefühlen auf die nächste Woge.
Die auf sich warten ließ.
Und da spürte Christine die unheilvolle Vibration, die die Aula unmerklich, aber mit konstanter Bestimmtheit zu füllen begann.
Der Staub trieb langsamer zurück auf die Stickdecken. Der Kegel
flackerte kurz, die Schakale wurden unruhig, etwas geschah, das nicht von ihr ausging. Der Raum schien zu Leben zu kommen,
und eine erbarmungslose Kälte begann, Christine zu erfassen. Bläuliches Flimmern bildete sich auf den Anzügen der Schakale,
der Stoff der plenarartigen Sessel knarrte unter der kontraktierenden Kraft einer sich anbahnenden, unermeßlichen Kälte.
Innerhalb weniger Sekunden lag ein Frostschirm über jegliches Möbilar, und kristalline Stecknadeln funkelten über
die gesamte Aula verteilt. Es knarrte. Etwas bewegte sich in diesem riesigen, unfüllbaren Raum, etwas fiel dezent in
Form von Vibration über sie her, beschnüffelte sie, und es war rigoros, es war schlecht und hungrig.
Und inmitten der Schakale erhob sich einer von ihnen, der so recht nicht zu den anderen passen wollte. Seine Kleidung
war zu leger, die unsichere Art der anderen haftete ihm in keinster Weise an, und Christine begriff, dass er es war,
der diese Kälte, die Vibration befohlen hatte. Dieser Raum unterlag ihm, nicht ihr, er war sein Mittelpunkt, nicht sie,
und, Christine begriff es sofort, er war der Ursprung dieser finsteren Woge, die ihr die Todesangst in die Glieder trieb. Das
Sekret zu ihren Füßen war zu einer glänzenden Lache verhärtet, die Orgasmen schienen Stunden zurückliegen, und es gab
nichts zwischen diesem Unterwerfer, diesem Saboteur ihrer Traumreise außer klirrende Kälte und die paar Sekunden, die
sie, so glaubte Christine, vor ihrem sicheren Tod trennten.
Der sinistre Schakal applaudierte verhalten, dann begann er, über die Sitze Richtung Bühne zu klettern.

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